Letzte Woche stellten sich im Jugendzentrum Zeughaus die Passauer Kandidaten für die Kommunalwahlen am 2. März vor.
Da fielen Sätze wie “Passau ist eine wunderschöne Stadt …” oder “Auf den Tourismus in Linz sind wir nicht neidisch.” .
An Passauer Bushaltestellen hängen prollige Plakate. Es lockt die SPD mit einem hochkreativen Wortspiel “Super, Passau, Dupper” für ihren Kandidaten Jürgen Dupper. Der Oberbürgermeister Zankl (CSU) wird zitiert, verspricht Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche, oder Passau zu einem “Bildungsstandort von Grundschule bis Universität” zu machen. Die FDP will “Zu neuen Qualitäten”, Grüne stellen klar “Passau braucht ein besseres Klima”. Deutlich unscheinbarer plakatierten auch ÖDP und FWG. Die Linke tritt nicht an, sie existiert in Passau nicht, es ist für sie ohnehin schon ein großer Schritt gewesen, am Politischen Aschermittwoch Gysi als Redner nach Passau zu bekommen.
Seit sechs Jahren ist Zankl von der CSU nun Oberbürgermeister von Passau. In der Zeit hat sich viel getan, am makantesten ist wohl der Bau der Neuen Mitte, die damit verbundene neue Verkehrsführung und die Umkrempelung des Stadtbusverkehrs. Zankl brüstet sich mit diesen “Errungenschaften” . Doch die Meinung der Passauer auf der Strasse ist meist ähnlich: Den Schimmel-farbenen Stadttrm empfindet kaum jemand als imposantes Bauwerk, das schöner ist als die zugegeben heruntergekommene Nibelungenhalle. Die Verkehrsführung empfinden die Autofahrer als verwirrend und inkonsequent, Umweltschützer halten sich Augen und Ohren zu wenn sie an die Feinstaubwerte in der Innenstadt denken. Ähnlich schlecht wird es den Pendlern, die jeden Tag mit dem Stadtbus fahren: Nicht nur, dass zum ZOB anfahrende Busse die ganze Fußgängerzone tyrannisieren (im Gegensatz zu früher als der Exerzierplatz Bushaltestelle war), seit Wochen wird auch darüber diskutiert, wann die ohnehin schon horrenden Fahrpreise (1,50 Einzelfahrt) wieder erhöht werden (das ‘ob’ wird hier gar nicht mehr wirklich diskutiert). Stattdessen gibt die Stadt Massen an Geld für die Neue Mitte oder die Fritz-Schäffer-Promenade aus, und ist überdies noch hochverschuldet.
Kein Wunder, dass Zankl auch nach seiner Wiederwahl das Wahlversprechen der Freizeit-Einrichtungen für Kinder und Jugendlich brechen wird. Schon jetzt kämpft eben jenes Zeughaus um jedes bisschen finanzielle Unterstützung um weiter einen Anlaufpunkt für Passauer Jugendliche bieten zu können. Auch in der Neuen Mitte ist keinerlei Ansatz einer Planung einer Einrichtung für Jugendliche vorgesehen, obwohl die Stadt mal eine Kampagne unter dem Motto “Kinder in die Mitte” am laufen hatte. Als ob wir nicht genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Stadtmitte hätten, wird stattdessen wohl jeder Quadratmeter Platz im neuen Tempel des Konsums für Mode-Geschäfte und ähnliches zur Miete stehen.
Neben dem finanziell bedrohten Zeughaus exisitert ansonsten noch das autonome Jugendzentrum “Zakk”, welches meist erst für Partys am Abend aufschliesst. Für die meisten Jugendlichen in Passau spielt sich ihre Freizeit, die sie in der Innenstadt verbringen, auf den Bänken des Zentralen Omnibusbahnhofs vor der Neuen Mitte oder bei schönem Wetter an der Inn-Promenade ab. Und die Jugendlichen auf der Wiese am Inn und am ZOB wissen, dass auch nach der Wiederwahl Zankls es nicht die von ihm versprochenen “Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche” geben wird.
Wer den Haufen, der für den ganzen Müll und das Chaos in Passau verantwortlich is, stoppen möchte … und wer den Passauer Jugendlichen, welche meist noch nicht wahlberechtigt sind, helfen möchte, macht den ersten und hilfreichsten Schritt wenn er/sie am 2. März keine seiner/ihrer Stimmen der CSU gibt!

